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ADAPTATION

Hermann Lederle’s “Adaptation,” 2015, is massive. Measuring five and a half feet by ten feet, this totemic monument doesn’t just envelop you, it anchors you to the ground. Reminiscent of partially open Levelor blinds, a network of dense and narrow vertical bands sweep across the canvas. There’s more weight at the center; this makes the surface quiver and shimmer, like water burbling over an outcropping of coral just beneath the surface of a roiling sea. Without fully revealing it, the piece suggests an expanse of pictorial depth. It accommodates something that is turbulent and veiled, expressionistic and controlled. This balance suggests a mystery, a conundrum, a koan.

You read it up and down, down and up, systematically working your way across. A crescendo from left to right, a climax at the middle, and then a denouement until the right edge. Structurally it’s the painterly equivalent of Guillaume Apollinaire’s pictorial poem, “Il Pleut,” from his 1918 book, Calligrammes. The lines of the poem are vertical, to simulate falling rain that evokes memories of women in the poet’s life.

Adaptation by Hermann Lederle
ADAPTATION, mixed media on canvas, 66 by 120 inches, 2015

The piece began with marks on the canvas. His signature, in the lower right corner; Japanese words near the left edge, vertically arrayed, that correspond to young Japanese daughters and an ambiguous amalgamation of a term that suggests Japanese trust fund sons and Goths. Given the piece’s up and down rhythm, it invites a comparison to the fair Juliet above on her balcony being courted by her swain Romeo down below. Those vertical bands consist of the vivid and expressionistic decades-old paintings that Lederle has painstakingly hand-cut and then collaged onto the canvas, leaving just enough space so that the original marks show through as interstices of the canvas. Punctuated with a stop and go rhythm, the work reigns in the artist’s prior spontaneous flourishes. Each scrimmed line brims with its own gravity. Overall it packs a powerful existential wallop. As such, it makes you wonder what Jackson Pollock’s drip paintings would have looked like if he had worked off of an easel.

An inspired piece, the work lays bare the source of artistic inspiration. The work corrals something prior and powerful, something that had once been deeply felt and is now remembered. It doesn’t push this feeling into the background; it leavens it with the consolation of memory. The work waxes humorous, a literal application of the way an artist’s new painting builds on what went before. Adaptation looks backward to move forward. Besides the emotion, besides the humor, the work feels wise: the product of adapting to things pictorial and, thus, personal with the perspective of age.

By James Scarborough
Writer


Das Bild Hermann Lederles, die "Anpassung", 2015 ist massiv. Von diesem 168 cm mal 365 cm messenden totemhaften Monument wird man nicht nur umhüllt sondern im Boden verankert. Ein Netz von dichten und schmalen vertikalen Streifen die an eine halbgeöffnete Lammellenjalousie erinnern fegen über die Leinwand. Das Zentrum bildet den Schwerpunkt; hier erscheint die Oberfläche zitternd und schimmernd, gleich dem plätschernden Wasser welches ein Korallenriff in der aufgewühlten See umspült. Ohne es vollständig zu enthüllen, deutet das Bild eine Erweiterung der Bildtiefe an. Das Werk harmonisiert etwas, das zugleich turbulent und verschleiert, expressionistisch und konzeptionell ist. Diese Balance suggeriert ein Mysterium, ein schwieriges Rätsel, einen Koan.

Man liest das Bild von oben nach unten und unten nach oben um sich systematisch seinen Weg zu erarbeiten. Ein Crescendo von links nach rechts, mit dem Höhepunkt in der Mitte, und schließlich der Auflösung zum rechten Rand. Das Bild ist strukturell das malerische Äquivalent zu Guillaume Apollinaire’s malerischem Gedicht "Il Pleut," aus seinem 1918 erschienenem Buch, Calligrammes. Die vertikalen Zeilen des Gedichts simulieren einen Regenfall der Erinnerungen an die Frauen im Leben des Dichters erweckt.

Der Arbeitsprozess begann mit Markierungen auf der Leinwand und endet mit der Unterschrift in der unteren rechten Ecke, sowie vertikal gekritzelten japanischen Wörtern links unterhalb der Streifen; Die Wörter “Koisan trifft Keiboy”, beziehen sich auf die jüngste Tochter und verschmelzen zweideutig einen Ausdruck aus der Gothicwelt mit dem Sohn der ein durch Treuhandfond gestütztes sorgenfreies Leben führt.

Der dem Bild innewohnende Rhythmus des Auf und Ab lädt zu dem Vergleich ein zu Julia, die oben von ihrem Balkon den unten stehenden Romeo umwirbt. Diese vertikalen Streifen bestehen aus Jahrzehnte alten lebendigen und expressionistischen Gemälden, die Herman Lederle akribisch von Hand zerschnitten und anschließend exakt so auf Leinwand collagiert hat, dass die ursprünglichen Markierungen als Zwischenräume der Leinwand zu sehen sind. Unterbrochen durch den Stop and Go Rhythmus, wird die Arbeit nun im Gegensatz zur zuvor spontaneren Gestik bestimmt. Jede gewebte Linie strotzt von eigener Schwerkraft. Insgesamt schlägt das Bild auf mächtige und existentielle Weise auf. Als solches, möchte man sich fragen, wie Jackson Pollocks Drip Malereien aussehen würden, wenn er von einer Staffelei gearbeitet hätte.

Es ist eine inspirierte Arbeit, das Bild offenbart die Quelle artistischer Inspiration. Es beinhaltet etwas früheres und kraftvolles, etwas, das man einmal tief empfunden hatte und nun in Erinnerung kommt. Es drängt dieses Gefühl nicht in den Hintergrund, sondern schafft Erleichterung durch den Trost der in der Erinnerung liegt. Die Arbeit zeigt zunehmend humorvoll und in wörtlicher Übertragung die Art und Weise wie ein Künstler die neue Malerei auf vorangegangener aufbaut. Die Anpassung besinnt sich rückwärts, um sich vorwärts zu entwickeln. Neben der Emotion und dem Spaß, empfindet man die Arbeit als klug: Als Produkt die malerischen und somit persönlichen Dinge aus der Perspektive der Reife anzupassen.

Aus dem Englischen von Knut Wilhelm


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